Rechte Kommunikationsstrukturen, Läden, Labels, Gruppen und Führungspersonen in Unterfranken (Stand Oktober 2006)

Ein Überblick über Rechte Strukturen in Unterfranken: Nach der Schließung der beiden rechten Treffs „Wikinger“ in Aschaffenburg und „Schlosscafé“ in Lohr im Jahre 2005 (siehe unten) fehlt den Nazis in Unterfranken ein größerer Anlaufpunkt. Mensch kann jedoch befürchten, dass Uwe Meenen, der Bezirksvorsitzende der NPD-Unterfranken, auf der Suche nach potentiellen Räumen für Nazi-Veranstaltungen ist. In Würzburg selbst kann angenehmerweise nicht von einer offen in Erscheinung tretenden Naziszene gesprochen werden, obgleich ein Übergriff von vier Neonazis auf einen Punk am 01. April, wobei dieser in eine Schaufensterscheibe geschmissen und verletzt wurde, das Gewaltpotential der Würzburger Nazis verdeutlicht. Während das Auftreten von Nazi-Gruppen in einschlägigen Würzburger Diskotheken meist ablehnende Reaktionen verursacht, sieht dies im Umland anders aus. In den ländlichen Gebieten hat sich ein „rechter Lifestyle“ etabliert, der zum allgemeinen Erscheinungsbild der Dorfjugend gehört und kaum auf Widerstand stößt. Nazi-Ideologie paart sich hier mit einem dumpf-nationalistischen und intoleranten Dorf-Klima. Während jedoch im Landkreis Würzburg keine kameradschaftsähnlichen Strukturen zu erkennen sind, befindet sich der Schwerpunkt der organisierten Szene in Unterfranken im Kreis Main-Spessart, Miltenberg/Aschaffenburg und Neustadt/Saale, wobei bei den Nazis die Bestrebung besteht, sich wieder Unterfranken-weit zu vernetzen.

Kreis Miltenberg/Aschaffenburg:

Old School Shop, Mespelbrunn: In Mespelbrunn, einem Dorf nahe Aschaffenburg, wurde Anfang 2003 der Old School Shop von Oliver Weilnhammer gegründet. Ende August 2006 schloss er nach drei Jahren Betrieb seine Pforten und verknüpfte dies mit einer großen Ausverkaufsaktion. Der Vermieter hatte den Vertrag für den Laden nicht verlängert. Das Geschäft hatte sich ausschließlich auf Produkte für die rechte Subkultur spezialisiert. Neben Kleidung bekannter Nazi-Marken fand sich auch ein breites Sortiment an Musik und sonstiger Waren für den „rechten Lifestyle“. Es existiert weiterhin ein Internetversand unter diesem Namen, der von Michael Diener (ehem. The Voice Records, und 2. Geschäftsführer des mittlerweile geschlossenen Ladengeschäfts Oldschoolshop in Mesperbrunn) betrieben wird. Der Internetshop hat ein reichhaltiges Musikangebot, hauptsächlich Punk und Hardcore Bands. Von Anti Flag bis Hatebreed ist alles zu haben. Daneben gibt es allerdings auch die komplette Thor Steinar- Kollektion käuflich zu erwerben. Offenbar ein Versuch auch beim unpolitischen bzw. unwissenden Kundenkreis ordentlich Kohle abzukassieren.

Last Resort Store, Bessenbach: Die bekannten Neonazis Dominik Wensauer und Manuel Hardt, beide wohnhaft in Bessenbach/Spessart, sind seit 2004 verantwortlich für den Internetversand „Last Resort Store“. Neonazi-CDs aller Stilrichtungen, Bandshirts, Accessoirs, DVDs etc. in großer auswahl bilden das Sortiment. Noch dazu veröffentlichte der Versand im Jahr 2006 4 CDs, bis auf eine jeweils Eigenproduktionen. Damit steigen natürlich die Bedeutung innerhalb der Szene als auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Versandes enorm.

Tattooshop Low Life Rebel, Mömlingen: Am 12.08.2006 eröffnete Marco Träger das Tattoostudio Low Life Rebel in Mömlingen. Im Angebot sind neben Tribals und sonstiger Tattookunst auch einige Motive wie Skrewdriver Logos oder diverse keltische Symbole, welche eindeutig der Neonaziszene zu zuordnen sind. Zum Kundenkreis gehört u.a. auch Oliver Merget.

Widerstand Aschaffenburg: Führender Kopf der Kameradschaft „Widerstand Aschaffenburg“ ist Oliver Mergert, dem die Nazikneipe „Wikinger“ in Aschaffenburg gehörte, bevor sie nach antifaschistischem Protest Ende 2005 ihre Pforten schließen musste. Bei Demonstrationen trat die Kameradschaft immer wieder in Erscheinung, so auch am 19. März 2005 in Würzburg, wo sie mit eigenem Transparent angereist waren, oder auch am 1.Mai 2005 in Worms. Im November 2005 versuchte die Kameradschaft einen Infostand zu Rechtsextremismus zu stören, was allerdings misslang.

Kreis Rhön/Grabfeld

Hatecore Crew, Hohenroth: Jens Rüttiger ist der Betreiber der Homepage xxx.hatecore-crew.de Neben allgemeinen Informationen über die rechte Szene findet mensch hier mindestens wöchentlich aktuelle Nachrichten aus der Neonaziszene. Gerade in Unterfranken, wo den Nazis seit Ende 2005 ein fester Treffpunkt fehlt, ist eine Homepage wie die der Hatecore-Crew wichtig für die regionalen Informationsstrukturen. Darüber hinaus wurde Jens Rüttiger im Dezember 2005 zum Vorsitzenden des neu gebildeten NPD-Kreisverbandes Rhön/Grabfeld gewählt und gleichzeitig fungiert er als Seitenbetreuer der Partei eigenen Homepage. Nach eigener Aussage hat es sich die Hatecore-Crew zur Aufgabe gemacht: „nationale Jugendliche zusammenzuführen und in eine starke Kameradschaft zu integrieren.“ Um dies zu erreichen versucht die Hatecore-Crew gezielt Jugendliche anzusprechen und in eine Art rechten Lifestyle einzuführen. Dies geschieht unter anderem durch den gemeinsamen Besuch von Demonstrationen oder Rechtsrockkonzerten sowie das Veranstalten eigener Partys oder Liederabenden.

Kreis Kitzingen

Radio Franconia, Widerstand-mainfranken.de, Kitzingen: Florian Fuchs betreibt die neonazistische Internet-Radioshow „Radio Franconia“, in der neben Nazi-Musik auch Grußbotschaften der rechten Szene verlesen werden. Des weiteren führt er die Homepage xxx.widerstand-mainfranken.de, die den parteiungebundenen rechtsradikalen Kräften aus Unterfranken eine Plattform bietet, sich zu präsentieren. Seit Anfang Juni 2006 ist auch das Forum wieder zu erreichen. Des weiteren fungiert er als Webmaster der unterfränkischen NPD-Homepage.

Kreis Main-Spessart

Kameradschaft Main-Spessart, „White rebells“: Anfang 2005 kam die unterfränkische Kleinstadt Lohr in die Schlagzeilen, als 20 Neo-Nazis ein Punk-Konzert im lokalen Jugendzentrum angreifen wollten und dabei drei Konzertbesucherinnen verletzt wurden. Bereits in den Jahren zuvor hatte sich hier eine aggressive Naziszene entwickelt, deren Erkennungszeichen der Schriftzug „White Rebells“ auf ihren Bomberjacken ist. Dabei blieben die weißen Rebell/innen kein Lohrer Phänomen, sondern fanden AnhängerInnen bis nach Würzburg. Führender Kopf der Szene in Main-Spessart ist der Himmelstädter Matthias Bauerfeind, der ursprünglich aus Karlstadt kommt. Mit Fachabitur in der Tasche im Sommer 2005 von München nach Unterfranken zurückgekehrt, hatte er durch seinen Aufenthalt Kontakte zwischen der nordbayerischen Szene und Partei-ungebundenen Nazi-Strukturen in Südbayern knüpfen können. Als Treff der unterfränkischen Naziszene fungierte bis Juni 2005 das „Schlosscafé“ in Lohr, bis es, wohl aufgrund des gesellschaftlichen Drucks als Reaktion auf den Übergriff, seine Pforten schloss. Kurzfristig galt dann der „Wikinger“ (Aschaffenburg) für die unterfränkischen Nazis als Treffpunkt. Seit auch dieser Treffpunkt schließen musste, fehlt der Szene ein fester Treffpunkt. Seit der Schließung des „Schlosscafés“ und der Verminderung der AnhängerInnen der rechten Szene treten sie unter anderem unter dem Namen „Kameradschaft Main-Spessart“ auf und unterstützten u.a. die Nazi-Demonstration in Friedrichshafen im Oktober 2005. Auch auf der Demonstration der „Autonomen Nationalisten“ am 14.01.2006 in München waren einige fränkische Neonazis, u.a. Matthias Bauerfeind, zugegen. Dies verdeutlicht, dass durch den Druck der bürgerlichen Öffentlichkeit im Jahre 2005 die Szene zwar verkleinert, jedoch der Kern der alten „White-Rebells“-Strukturen noch immer politisch tätig ist.

The Voice Records/Hate Records Franken, Marktheidenfeld: Michael Diener aus Erlenbach bei Marktheidenfeld betreibt das rechtsradikale Label „The Voice Records“, dass unter anderem Cds von Nazi-Bands wie Race War, Walaskialf und Weon herausbrachte und dessen offizielles Postfach sich in Marktheidenfeld befindet. Die LP „Stimme des Blutes“ von Race War wurde im Februar 2006 indiziert. Das Label zählt außerdem zu den offiziellen Unterstützern der ersten Schulhof CD. Im August 2005 wurden Diener und ein Kamerad in Lohr beim Verteilen der CD erwischt. Den Beschlagnahmebeschluss aus Halle nahm die bayerische Polizei nicht so ernst und sammelte lediglich die schon verteilten Schulhof Cd’s ein. Einen Karton mit bis zu 200 Cd’s durfte Michael Diener behalten. Bis Anfang 2006 war das Label unter der Adresse xxx.tvr-88.de zu erreichen. Kurzzeitig arbeitete Michael Diener mit dem Nazi-Vertrieb „Fuck Peace“ aus Zirndorf bei Nürnberg zusammen, der dessen Seite hostete xxx.fuck-peace.com. Anfang Juni 2006 tauchte wieder ein Label Plus Versand aus Marktheidenfeld auf. Unter der Domain xxx.fuckthesystemrecords.de kann man diverse Cd’s und andere Artikel bekannter Rechtsrockbands erwerben. Das neue Label firmiert nun unter dem Namen Hate Records Franken. Jens Hein ist der Betreuer der Seite. Die eigentliche Person hinter der ganzen Sache ist aber dennoch Michael Diener aus Erlenbach, dessen alte Postfach Adresse nun auch die des neuen Labels ist. Seit der Outing-Aktion der „Jugendantifa MSP“ ist die Internetseite „Hate Records Franken“ ebenfalls nicht mehr erreichbar.

Kreis Würzburg

Uwe Meenen, Würzburg: Der Bezirksvorsitzende der NPD Unterfranken, geboren 1963, ist seit Jahrzehnten eine der bedeutendsten Personen für die unterfränkische Neonazi-Szene. Im September 1991 gründete er den Bund Frankenland, der ein neues deutsches Reich mit rassistisch-nationalistischer Ausrichtung anstrebte. Zusammen mit Reinold Oberlercher und Horst Mahler zeigt er sich für das Deutsche Kolleg verantwortlich, dass sich als nationalistisch-intellektuelle Kaderschmiede versteht und dessen offizielles Postfach sich in Würzburg befindet. Das Deutsche Kolleg veranstaltet Schulungen und publiziert Texte, die durch permanenten Antisemitismus und der Kombination aus anti-imperialistischer und nationalsozialistischer Rethorik geprägt sind. Im „Aufstand der Anständigen“ von 2000 wurde gefordert, alle jüdischen Gemeinden zu verbieten und Asylsuchende sofort auszuweisen, weswegen sich Meenen 2004 vor Gericht verantworten musste. Um nationalistische Schulungszentren zu schaffen, fungierte er für die NPD bereits mehrere Male als Treuhänder zum Erwerb von Immobilien. So scheiterte im Jahre 2005 der Versuch, eine Tennishalle in Grafenwöhr zu erwerben. Mehr Erfolg hatte Meenen beim Erwerb eines alten Gebäudekomplexes im oberpfälzischen Cham, in dem ein Schulungs- und Veranstaltungszentrum sowohl für die regionale als auch überregionale Neonazi-Szene geschaffen werden soll. Meenen war ebenfalls Geschäftsführer des „Antiquariat Pfeiferhans“, das Im September 2005 vom Fränkischen Kulturbund angemietet wurde. Das Geschäft eröffnete Mitte Februar 2006 und schloss aus ungeklärten Gründen bereits zwei Monate später wieder seine Pforten. Mittlerweile hat Meenen seinen Bücherverkauf komplett ins Internet verlegt. Auf der Seite des Zentralen Verzeichnisses antiquarischer Bücher (www.zvab.de ) bietet Meenen unter dem Namen „Antiquariat Frankenland“ über 2000 antiquarische Bücher an. Als Inhaber ist der „Bund Frankenland e.V.“ angegeben (siehe Artikel „ Überblick über Neonazistrukturen in Nürnberg und Umgebung“)

Fränkischer Kulturbund, Würzburg: Der im Februar 2005 gegründete „Fränkische Kulturbund“ hat sich auf die Fahne geschrieben, die Fränkische Kultur zu „erforschen, archivieren und darzustellen“. Als Vereinsvorsitzender fungiert Uwe Meenen. Der Verein hat in naher Zukunft vor, eine Bibliothek und ein Studienzentrum in Unterfranken zu gründen. Dabei erinnert das Konzept des „fränkischen Kulturbunds“ an die Taktik Uwe Meenens, Immobilien anzuwerben um nationalistische Schulungszentren zu errichten.

Hartmut Wostupatsch, Würzburg/Höchberg: Wostupatsch tummelt sich bereits seit den Siebziger Jahren in der nationalsozialistischen Szene. So galt er als führender Kader der 1983 verbotenen „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten“ und war dort im „Amt für nationalsozialistische Lebensanschauung und Schulung“ tätig. Über fast zwei Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden, fungierte er ab 2001 regelmäßig als Redner bei Veranstaltungen der Partei-ungebundenen Strukturen der Nazis. Schon bei seiner ersten Rede wurde Wostupatsch anschließend festgenommen, da er das Dritte Reich verherrlichte und über Ex-Bundespräsidenten von Weizsäcker aussagte, dieser wäre „in besseren Zeiten, sprich in den Zeiten, wo in Deutschland noch Recht herrschte, mit einem Strick um den Hals am nächsten Baum gefunden worden“. Durch seine vor radikalem Antisemitismus und Rassismus triefenden Reden ist Wostupatsch ein beliebter Redner bei Nazi-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen, Ostdeutschland und im süddeutschen Raum, obwohl er in der rechten Szene wegen seiner angeblichen Nähe zum Verfassungsschutz umstritten ist. Wegen dieser Vermutungen ist er auch mit Uwe Meenen verstritten. Sein Comeback als Redner hat Wostupatsch wohl auch Christian Worch, einem alten Weggefährten aus der Zeit bei der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationaler Aktivisten“ und die Führungsperson der nationalistischen „Freien Kräfte“, zu verdanken. Auch zu Axel Reitz, einer wichtigen Person der Freien Kameradschaften und des Kampfbunds Deutscher Sozialisten, pflegt Wostupatsch Kontakt. In letzter Zeit tritt er besonders oft als Redner in Erscheinung, z.B. Am 10.01.06 in München, am 19.03.06 in Grafenwöhr und am 06.05.06 in Münster. Bemerkenswert hierbei ist, dass die politische Agitation von Wostupatsch in Würzburg nahezu unbekannt ist und ihm deshalb seine Anonymität im Würzburger Umland zugute kommt.

Die Republikaner, Würzburg: Obwohl die Republikaner seit Jahren bundesweit an massivem Wählerschwund leiden und in Antifa-Kreisen größtenteils zum alten Eisen gezählt und nicht mehr wirklich beachtet werden, verdienen sie in Würzburg unsere Aufmerksamkeit, da diese noch immer mit zwei Stadtratsmitgliedern in Würzburg vertreten sind und mit ihrer ausländerfeindlichen und völkischen Rethorik seit vielen Jahren bei den WählerInnen ankommen. Die Fraktion in Würzburg mit ihrem Bezirksvorsitzenden Berthold Seifert veranstaltet regelmäßig Infostände in der Würzburger Innenstadt und trifft sich seit geraumer Zeit in der Gaststätte „Alt Versbach“ in Würzburg/Versbach. Die „Erfolgsstory“ der Republikaner ist mit dem Namen Klaus Zeitler verbunden, der 1968-1989 Bürgermeister war und anschließend von der SPD zu den Republikanern wechselte und für diese 1996 und 2002 in den Stadtrat einzog. Allen Distanzierungen zum Rechtsradikalismus zum trotz fiel Ende 2005 der Kommunalpolitiker und Streifenpolizist Ralf Mynter im Würzburger Kreistag auf, als er ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Nationaler Widerstand Kist/Altertheim“ trug. Dies ist ein typisches Beispiel dafür, dass Die Republikaner zwar eine vor sich hin alternde, aber dennoch gefährlich nach extrem-rechts offene Truppe sind die in Würzburg einen festen WählerInnenstamm von 4% hat.